Geschichte
Das Schloss Castello di Casiglio liegt auf einer Anhöhe in der für Festungen im Mittelalter typisch gewählten nordöstlichen Richtung.
Ursprünglich entstand es 900 n.Chr., als auf der Hochebene ein Militär-Vorposten errichtet wurde. Zwei Zugänge mit Tonnengewölben führten in die quadratisch erstellte Anlage, in dessen Hof sich ein Brunnen befand.
Der erste Stock und der quadratische Turm führt ins 11. Jh. zurück, später im 12. Jh. wurde das Gebäude erweitert und der Hof verlor seine Eigenschaft als zentrale Struktur. Die älteren Reste des Gebäudes sind an der zum Friedhof liegenden Fassade sichtbar. Ursprünglich bestand es aus vier auf zwei Ebenen liegenden Räumen, einem Kellerraum, einem Turm und einer Trennwand zwischen Schloss und Kirche.
Es wird erzählt, dass der Bau des heute zu sehenden Schlosses von Kardinal Beltramino, der einflussreichsten Persönlichkeit der Familie Parravicini, die in der ersten Hälfte des XVI Jahrhunderts lebte, veranlasst wurde. Dokumente aus dem Archiv der Pfarrei beziehen sich auf die Geburt von Beltramino innerhalb des Schlosses und lassen erahnen, dass dieser nicht den Bau veranlasst, allenfalls das Schloss hat restaurieren und zu seinem Glanz hat führen lassen.
Während seiner Lebenszeit bekleidete er verschiedene und wichtige Ämter: Anwalt am päpstlichen Hof; 1336 Bischof von Chieti; Apostolischer Nuntius bei König von Aragonien; Bischof von Como 1339; 1340 Bischof von Bologna und dort staatlicher Nuntius und Päpstlicher Legat für Papst Benedikt XI.
Er starb 1351 am päpstlichen Hof in Avignon und wurde auf eigenen Wunsch in der Kirche von Casiglio begraben.
Es wird erzählt, dass sein Leichnam bei der Leichenausgrabung 1941, um diesen zu verlegen, unversehrt vorgefunden wurde. Jedoch die Kleider waren zerfetzt und am Finger fehlte sein Bischofsring. Dies erregte heftiges Aufsehen, sodass die Menschen an ein Wunder glaubten und Beltramino wurde für die Beatifikation vorgeschlagen.
Das “U” förmige aus Stein gebaute Schloss und der Eckturm gehörten zur Pfarrgemeinde Incino. Trotz der häufigen Reisen, die den Kardinal zwangen, entfernt von Casiglio zu leben, fühlte er sich mit dem Schloss, das er als repräsentativer Sitz seiner Familie zum Beweis ihrer errungenen Bedeutung wählte, sehr verbunden.
Nach seinem Tod wurde sein Werk von seinem Bruder und Erben Wilhelm, Zucchone genannt, fortgeführt und nach dessen Tod von dem Erben Johann, der am 6. August 1400 starb, als das Werk vollendet war.
Im Jahr 1400 wurde das Schloss sehr wahrscheinlich Sitz des Mailänder Justizkonsuls, der Bau restauriert und teilweise für den öffentlichen Dienst benutzt. Genau in dieser Zeit wurden die Wände des oberen Stockwerks mit Fresken bemalt und das Gebäude vergrößert, ohne jedoch die bestehende Struktur der Anlage zu verändern. In den folgenden Jahrhunderten wurde die zentrale Struktur durch Nebenstrukturen erweitert, die später wieder für die Landbenutzung verwendet wurde.
Zur Zeit der Sforza gehörte es den Grafen Del Verme.
In der zweiten Hälfte des 15. Jh. ging das Schloss im Besitz der Parravicini in den Besitz der Adelsfamilie Galimberti über. Später wurde es jeweils zum Eigentum der verschiedenen Familien des lokalen Bürgertums.
1656 kehrte das Lehn in den Besitz der Famiglie Parravicini zurück. Man denkt, dass im 17. Jh. der ursprüngliche Turm durch ein Feuer vernichtet wurde und später links des Schlosses neu erbaut wurde.
Im Jahr 1800 wurde das Schloss restauriert, und als Adelswohnsitz benutzt; in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde die obere Loggia umgebaut.
Im Schloss wurden wichtige Sammlungen von dem damaligen Besitzer aufbewahrt: Giovanni Cavalleri.
Er sammelte gut 22.000 alte Münzen, 10.600 Bände der antiken Kunst und Geschichte, verschiedene Waffen aus dem Mittelalter, Kleider, antike Kostüme, lokale Fundstücke.
Berühmt wurde der Besuch von König Viktor, damals Erbprinz, der 1890 nach Casiglio kam, wo er einen Heller erwarb, der Teil der wertvollen Münzsammlung wurde. Leider gingen die bekannten Sammlungen von Cavalleri unter den Erben verloren und das Schloss verfiel. Danach wurde es nur noch für die Landwirtschaft benutzt und später in ein Rustika verwandelt.
Der neue Wohnbereich wurde Villa Elena.
1985 wurde das Schloss, nun baufällig und unbewohnbar, vollständig restauriert und jeder ursprüngliche Teil wurde ohne Veränderungen der ursprünglichen Struktur wieder hergestellt. Während der Arbeiten unter der Leitung der Oberaufsichtsbehörde für Altertumswesen und Kunst Mailand wurden originale Bodenbeläge aus dem Mittelalter aus Steinplatten, Ziegelsteinen und Flusskieselsteinen freigelegt. Besonders sorgfältig wurden die Fresken aus dem 14. Jh. behandelt.
